Apple iPad: Zweite Fernbetrachtung des Tablets.

1. Content: WELT & WamS als Abo auf dem Tablett

Allmählich ist es an der Zeit Apples iPad wieder etwas genauer aus der Ferne zu betrachten, denn seit unserem ersten virtuellen Wunsch-und-Wirklichkeits-Vergleich Mitte Februar hat sich einiges getan. Während wir hier wieder eher nach dem Business schauen und uns um Entwicklungsfragen kümmern, können sich interessierte die ersten Hardwarebesprechungen und Tests ansehen – die Mac Essentials haben eine Zusammenfassung der maßgeblichen Berichte.

Fangen wir hinten, besser gesagt beim gestern und im übermorgen an: am Samstag kommt der eigenblutgedopte iPod Maxi Details »

Faule Birnen auf dem Tablett – Von “E-Papern” und Murks.

Da hat der SPIEGEL seinen langjährigen Digital-Abonnenten am Wochenende aber einen Bärendienst angetan: anstatt der in den letzten Jahren etwa 20-30 MB großen Komplett-pdf des Druck-Spiegels wird seit Sonntag ein miserabel zusammendistilltes, 8,5 MB großes und optisch völlig verhunztes pdf ausgeliefert, dem obendrein auch noch die Anzeigenseiten fehlen. Das ist insbesondere deshalb ärgerlich, weil sich die Entfernung einzelner Seiten logischerweise nach keinem numerischen Raster richtet, so dass teilweise wahllos wirkend Seiten in der Doppelseitenansicht fehlen. So stehen nun also teilweise linke Seiten (gerade Pagina) rechts und umgekehrt. In der dem Magazin vorbestimmten Form, nämlich der Doppelseitenansicht, ist jeglicher Layouteindruck dahin, die extrem komprimierte pdf Darstellung trägt mit wüsten Kompressionsartefakten ein übriges dazu bei, dass ein bis eben noch vorbildliches digitales Produkt völlig verhunzt an den verduzten “Premium”-Kunden ausgeliefert wird, der, und das sei betont, im Voraus handfestes Geld für sein pdf-Abo bezahlt hat. Man weiß gar nicht was man schlimmer finden soll – die Tatsache, dass der digitale SPIEGEL jetzt nur noch als zerrupftes Einzelseitenexzerpt gelesen ungenießbarer als ein Altpapierfund ist, oder dass die unterirdische Dateigrößen’optimierung’ die ja schon mit genug geschlagene Margot Käßmann auf dem Cover noch mehr verknittert, als es die Umstände ohnehin schon erzwingen.

Fehlschläge passieren immer mal wieder, das liegt in Produktionsumgebungen mit einer Vielzahl Beteiligter in der Natur der Sache. Was die Geschichte beim SPIEGEL aber eher nach Wille als nach mangelndem Können aussehen lässt, ist die Tatsache dass jüngt die unvermeidliche “App” fürs iPhone veröffentlicht wurde, über die der geneigte Abonnent (ganz wie bei der BILD seit letztem Jahr) nun den Druckspiegel auch auf dem Apple-Phone runterladen kann. Anstatt nun der an ein qualitativ hochwertiges digitales Produkt gewöhnten Stammkundschaft Ihr 30 MB pdf zu lassen, und den iPhone Kunden eine runtergerechnete Version anzubieten (was ja Sinn hätte, denn die Auflösung und das Format von 480 x 320 Pixel bei 163 ppi machen größere Dateien unnötig) bekommen nun ALLE diesen Murks vorgesetzt. Unsere bescheidene Meinung: das ist Quatsch und zwar genau die Sorte, die eben mit dem Aufkommen mobiler Netzreader wie iPhone, iPad & Co. gerade nicht passieren sollte. Details »

Apple iPad: Erste Fernbetrachtung des Tablets.

Right, nach diesem 180 Sekunden-Lacher von Neil Curtis (nicht geschaut? Dann aber bitte mit Ton, der Clip dürfte selbst Die-Hard-Windows-Fans ein Zucken im Mundwinkel entlocken) und einigem Abstand vom hyperventilierten Vorstellungstermin vorletzter Woche wollen wir uns Arthur C. Clarkes Newspad in der Apple-Version etwas genauer anschauen um die ersten Infos des noch recht virtuellen Gerätes mit unseren Prognosen abzugleichen und uns insbesondere die ökonomischen Perspektiven für Marketing und Verlagswesen um die gehärtete Glasscheibe herum näher ansehen. Details »

Apple iPad – offizielle Vorstellung

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Apple hat die offiziellen Videomitschnitte der gestrigen Tablet-Vorstellung als Quicktimestreams gepostet – hier gehts los. Wir werden uns in den kommenden Tagen die Einzelheiten genauer anschauen und mit den Spekulationen abgleichen. So viel vorweg: das iPad ist mehr als ein gepimpter iPod, aber zur Zeit anscheinend hardwarezentrierter als gedacht. (Screenshot © Apple, Inc., und ganz nebenbei: die haben das Bild wirklich “hero20100127″ genannt …)

Apple: Tablet Day

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Heute also ist es soweit, Steve Jobs hat nach San Francisco ins Yerba Buena Center for the Arts Theater um 10 a.m. pacific time eingeladen:

Come see our latest creation.

Wir haben uns in den vergangenen Tagen in bequemer Zurückhaltung geübt und nicht jedes Gerücht abgetippt und als Neuigkeit drittverwertet dass inzwischen medienübergreifend zur wohl größten Hype-Welle in Apples Firmengeschichte angeschwollen ist. So weit haben die smarten Vereinfacher in Cupertino (mal wieder) alles richtig gemacht. Die Erwartungen sind inzwischen dermaßen angeschwollen – wie gehabt vor der Vorstellung neuer Äpfel – dass das Gerät und sein Geschäftsmodell nicht nur revolutionär sein müssen, sondern nebenbei nicht weniger als die Rettung der ganzen Medienbranche vollbringen sollen. Ob WSJ, FTD, FAZ, Manager Magazin oder die TAZ – die Gerüchteschleudern tragen in diesen Tagen die ganz großen Namen, und schlagen dabei den unentschlossenen Ton bescherungstrunkener Kinder am Weihnachtsnachmittag an: einerseits auf das große, nie dagewesene Wundergeschenk hoffend und sich im gleichen Atemzug selbstbeschwichtigend einredend, dass man die Vorfreude auf das große Piratenschiff zügeln muß, denn so was tolles kann ja gar nicht in den heimlich aufgestöberten Geschenkkartons drin sein, es könnte ja auch etwas ganz anderes sein, über dass man sich dann auch noch freuen können will. Details »

Apple Tablet follow-up: Vorstellung Ende Januar?

Wenn selbst SPon anfängt die Apfel-Tablett-Gerüchte zu einer Story zusammenzubauen, und sich die gadgetgeilen Gerüchtekolportierer NYT schon darauf einschießt, dass Microsoft bereits heute abend auf der CES Apple die Show mit einer serienreifen Version Ihres Courier Tabletts stehlen könnte, wenden wir uns in aller Ruhe dem Wesentlichen zu: Business statt Gadgets.

Schließlich ist die Idee mit dem Tablett PC hardwareseitig alles andere als neu. Apple hat schon vor Urzeiten mit dem Newton und einigen nie veröffentlichen Experimenten am Thema gearbeitet, Microsoft war vor einigen Jahren bereits die treibende Kraft der Neuzeit hinter tastaturlosen Mobilcomputern. Wenn diese frühen Gehversuche auch allesamt auf nervige Stifteingaben angewiesen waren, dürfte sich hier nun – wie auch im Mobilfunkmarkt – auf breiter Front der Touchscreen durchsetzen. Wie auch immer – Formfaktor und Funktionalität einer Hardware interessieren uns in unserer Strategie-Serie zum Tablet weniger, denn eingedenk des aktuellen technologischen Standes dürften die erwarteten Geräte keine revolutionären Überraschungen bereithalten. Anders sieht das beim Interface aus, und da erwarten wir von Apple durchaus Überraschungen, wobei damit Microsoft nach den jüngsten Höhenflügen mit bing und Windows 7 (abgesehen von der skurillen Einführungskampagne …) nicht verfrüht abgeschrieben werden sollte.

Den Unterschied und damit die Entscheidung über Erfolg oder just-another-binned-gadget wird ein Contentgeschäftsmodell machen und nicht die Spezifikations-Listen eines Touchscreen-Computers, und da schätzen wir Apple derzeit auf die Pole-Position. Dafür gabs in den vergangenen Wochen einige neue Anhaltspunkte über die hier und hier berichteten Entwicklungen im Zeitungs- und sog. “Print”-Sektor sowie bei den Buchverlagen hinaus:

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Apple Tablet follow-up: auch deutsche Verlage rücken näher zusammen

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Auch deutsche Verlage wagen sich zaghaft aus der Deckung um Claims für die Tablet-Dekade abzustecken: Rundschau-Verleger Konstantin Neven Dumont wiederholt in einem kürzlich erschienen Editorial Hubert Burdas Klage gegen die Google’schen Eigentumsdelikte (“Suchmaschinen greifen ab”), ohne allerdings zu erwähnen, dass man als Contentanbieter durch geeignete SEO Maßnahmen der weltweiten Auffindbarkeit des eigenen Schaffens durchaus aktiv Vorschub leistet, und sieht die bundesrepublikanische “politische Hygiene” in Gefahr, da die Medienkrise den investigativen Journalismus bedrohe. Dass schwindende Erlösquellen den Journalismus an sich bedrohen ist sicher eine widerlegbare These, dass engagierte Verleger die adäquaten Mittel haben diesem selbst beklagten Umstand angemessen (unser Anwärter für das Wort des Jahres) zu begegnen beruhigt uns. Interessant ist ganz am Ende folgender Satz, der mit leichter Fremdartigkeit in dem Text steht, und Paranoiker dazu verleiten könnte hier des Pudels Editorials Kern zu sehen:

Daneben gibt es Überlegungen, eine Vermarktungsplattform für Bezahlinhalte deutschsprachiger Verlage und Autoren zu gründen.

Das finden wir doch reichlich interessant, klingt hier doch eine technische Kollaborationsebene unter den deutschen Verlagen an, wie wir sie bereits in den Staaten Ende November gesehen haben (siehe unser Bericht US-Verlage gründen Mediendienstleister)
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Apple Tablet follow-up: 70% Marge für Verlage?

Reuters zitiert heute den Senior Analyst für Applied Technology von Oppenheimer Yair Reiner mit einigen Mutmaßungen hinsichtlich Vermarktungszeitpunkt (“launch in late March”) und potentiellen Earnings per Share (“boost of 25 to 38 cents per quarter” bei unterstelltem Stückpreis von ca. 1.000 USD und einer Stückzahl von 1 – 1,5 Mio Units per Quartal) bezüglich des auch von uns vermuteten Apple Tablet Computers. Interessanter als die üblichen Analystenhochrechnungen und Blicke in die Hardwareglaskugel (“10.1-inch multitouch LCD screen”) finden wir Reiners folgende Aussage:

Apple has also approached book publishers to distribute their content electronically, and has offered them a revenue cut of 70 percent without requiring exclusivity, Reiner said.

Das wäre ein sehr direkter Angriff auf Amazons Kindle, der 70 Prozent nur bei voller Contentexklusivität an die Verleger zahlt, ansonsten 50%. Über Contentdeals mit Magazin-Verlegern berichtete Reiner nichts. Währenddessen hat das Konsortium aus Time Inc, Condé Nast, Hearst Corporation, Meredith und the News Corporation laut NYT vorgestern offiziell die Gründung einer bisher namenlosen Unternehmung (“unnamed venture”) zur Gestaltung und Aufbereitung digitalen Magazincontents für Geräte, die noch nicht existieren offiziell bekanntgegeben. Wir berichteten hier.
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Apple Tablet follow-up: Sports Illustrated als Demo


Allmählich schwappen konkretere Hinweise zum allseits vermuteten Apple Tablet ins Netz – Zeit für eine neue Zusammenfassung der aktuellen Entwicklungen. Derzeitiges Highlight ist die obige Demo-Version von Sports Illustrated, die Time Inc. nun veröffentlicht hat. Anfang November bestätigte die Medien-Industrie in Person von James Murdoch das erste mal offiziell die Existenz des Apfeltabletts, was wir zum Anlass für eine größere Spekulation hinsichtlich des Geschäftsmodells und der damit verbundenen Chancen für Verlage und Publisher nutzten. Ende November machten Berichte die Runde, dass sich namhafte US-Verlage zusammenschließen, um einen technischen Diensteister unter Leitung von Time Inc. Executive Vice President John Squires zu gründen, der Inhalte für das Tablet aufbereiten soll. Schließlich nahm sich verblüffenderweise issuu ein Herz und renderte auf dem offiziellen Firmenblog erstmals einen mockup zum kolportierten Gerät.
Nach Condé Nast (gehört zum Kreis der Gründer des Content-Dienstleisters) mit einer etwas wackligen Demo wie das Wired Mag auf dem Tablett dargereicht werden könnte (Video nach dem Break) geht nun Time Inc. vollends in die Offensive und mit einer erstaunlich ausführlichen Demo von Amerikas führendem Sportmagazin.
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Apple Tablet follow-up: US-Verlage gründen Mediendienstleister

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Nachdem wir uns Anfang November aufs glatte Parkett der Technologiespekulationen hinsichtlich des Apple Tablets und eines Content-Geschäftsmodells begeben haben (Murdoch bestätigt Apple Tablet. Eine spekulative Analyse.) gibts laut New York Observer anscheinend Bewegung im Markt: John Koblin berichtet am 23.11. dass die namhaftesten US-Verlage wie Time Inc., Condé Nast und Hearst kurz vor der Gründung eines gemeinsamen Technologiedienstleisters stehen sollen, der die über 50 (stark miteinander rivalisierenden) Magazine der Verlage wie The New Yorker, Esquire oder Vogue zum crossmedialen Einsatz auf digitalen Plattformen vor- und aufbereiten soll. Das ganze scheint laut Koblin auf einen Online-Shop hinauszulaufen, in dem die so aufbereiteten Magazine möglichst einfach erworben werden können. Die im Observer zitierten (anonymen) Quellen halten eine offizielle Ankündigung der Firma, die angeblich von Time Inc. Executive Vice President John Squires interimsmäßig geführt werden soll, in den nächsten Wochen für möglich. Der ganze Artikel ist hier zu finden.
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Murdoch bestätigt Apple Tablet. Eine spekulative Analyse.

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Um im Gerüchtebusiness über das vielfach kolportierte Apple Tablet aka Medienreader mitzurühren, sei hier James Murdoch, Sohn von Rupert und Führungskraft im australoamerikanischen Medienunternehmen News Corp. im Druck-SPIEGEL 44/2009 zitiert, der überraschend deutlich und ohne Konjunktiv mit dem Satz “Apple wird einen Reader herausbringen.” im Interview wiedergegeben wird. “Das ist auch eine einmalig gute Gelegenheit, unsere Geschäftsmodelle zu verändern.” so James Murdoch weiter über den neuen Apple.

Nachdem dieser Tage bereits Berichte über eine interne Mitarbeiterkonferenz der New York Times die Runde machten, wo strategische Neuausrichtungen des Online-Geschäfts durch das “bevorstehende Apple Tablet” diskutiert wurden, ist Murdoch der erste bedeutende Vertreter der Inhalteanbieter, der das kolportierte Gerät offiziell als eine Tatsache bezeichnet. Steve Jobs wird das nicht gerne gehört haben.

Aber Apple wäre nicht Apple wenn es um ein bloßes Stück harter Ware gehen würde; das gibts am Markt bereits mehrfach, selbstverständlich auch mit Touchscreen. Wenn der Computerhersteller aus Cupertino das Tablett tastsächlich bringt, dann als Frontend eines Distributionskanals. Wollen wir also auf Basis der verfügbaren Infohäppchen mal etwas spekulieren wie so eine Art “iTunes News Store” funktionieren könnte, und zwar insbesondere unter dem Aspekt des Geschäftsmodells und was das für die Medienindustrie bedeuten könnte.

Unsere unbescheidene Prognose: 1. Der Journalismus könnte allen Unkenrufen vom Untergang zum Trotz vor einer neuen Blüte stehen. 2. Online-Vermarktung und Werbung könnte ein neuer, bidirektionaler Adressierungskanal mit nahezu 100prozentigem Targeting zur Verfügung stehen. Aber der Reihe nach.
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