Apple Tablet follow-up: auch deutsche Verlage rücken näher zusammen

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Auch deutsche Verlage wagen sich zaghaft aus der Deckung um Claims für die Tablet-Dekade abzustecken: Rundschau-Verleger Konstantin Neven Dumont wiederholt in einem kürzlich erschienen Editorial Hubert Burdas Klage gegen die Google’schen Eigentumsdelikte (“Suchmaschinen greifen ab”), ohne allerdings zu erwähnen, dass man als Contentanbieter durch geeignete SEO Maßnahmen der weltweiten Auffindbarkeit des eigenen Schaffens durchaus aktiv Vorschub leistet, und sieht die bundesrepublikanische “politische Hygiene” in Gefahr, da die Medienkrise den investigativen Journalismus bedrohe. Dass schwindende Erlösquellen den Journalismus an sich bedrohen ist sicher eine widerlegbare These, dass engagierte Verleger die adäquaten Mittel haben diesem selbst beklagten Umstand angemessen (unser Anwärter für das Wort des Jahres) zu begegnen beruhigt uns. Interessant ist ganz am Ende folgender Satz, der mit leichter Fremdartigkeit in dem Text steht, und Paranoiker dazu verleiten könnte hier des Pudels Editorials Kern zu sehen:

Daneben gibt es Überlegungen, eine Vermarktungsplattform für Bezahlinhalte deutschsprachiger Verlage und Autoren zu gründen.

Das finden wir doch reichlich interessant, klingt hier doch eine technische Kollaborationsebene unter den deutschen Verlagen an, wie wir sie bereits in den Staaten Ende November gesehen haben (siehe unser Bericht US-Verlage gründen Mediendienstleister)

Das ganze geschieht derzeit vor dem etwas hysterisch beschrieenen Hintergrund dass allen Verlegern voran Springer-Chef Matthias Döpfner endlich Geld für den teuren Qualitätsjournalismus im Web von den Lesern sehen will, und dazu die ersten kostenpflichtigen Apps fürs iPhone gelauncht hat. Wenn auch das Lamento um den Untergang des Abendlandes wegen sich schmälernder Anzeigenbudgets derzeit etwas schrill klingt, setzt sich die Branche immerhin mit der zweiten, richtig großen Internetwelle zeitig und vernünftig auseinander: der Megatrend der kommenden Jahre ist eindeutig das mobile Internet, und ohne hier in allzu gefällige Lobhudelei auszubrechen darf und muß festgestellt werden, dass es Apple Inc war und ist, die ein Wertesystem für digitalen Kontent geschaffen haben. Insbesondere für Nachrichtenanbieter gibt es jetzt tatsächlich eine Möglichkeit das Rad zurück zu drehen, und Inhalte in der Zweitverwertung zu monetarisieren.
Sollte ein vermuteter Tablett-Computer tatsächlich ein Wirtschaftssystem aka Store für Zeitungs-und Magazininhalte mitbringen, könnte sich der Medienmarkt mittelfristig sogar insofern umdrehen, als dass die Erstverwertung der Inhalte hier passieren würde, und die langsamen, gedruckten Versionen die eindimensionale Zweitverwertung darstellen werden.
Wir finden, abgesehen vom Wolfsgeheul das je nach Perspektive auch ein bisschen wie pfeifen im dunklen Wald klingt, Springer mit der BILD app hier auf einem ganz guten Weg ist. Ein Zwischenschritt, aber durchaus zu würdigen: die App liefert neben “exklusiven” Inhalten immerhin ab 2200 Uhr des Vorabends die komplette Druck-BILD als pdf aufs Telefon und bietet diverse Push-Dienste an. Das Shake-Girl ist natürlich typisch, nutzt aber abgesehen von allen naheliegenden Wertungen immerhin die technischen Rahmenbedingungen des Gerätes aus. Aboverlängerungen laufen über die neuen In-App-Micro-Payment Möglichkeiten des iPhones.

Wir wollen hier gar keine Meinungen pro/contra BILD abgeben, da unser Augenmerk auf dem Ecosystem News-Store im mobilen Internet liegt. Man sollte aber zwei Dinge klar voneinander unterscheiden: auf der einen Seite den Stil der BILD, auf der anderen Seite die hochgradige Professionalität der Redaktion und Ihrer Mitarbeiter. Denn während man derzeit in der Diskussion eine Vielzahl von Stimmen hört die von “Content” und “Qualitätsjournalismus” reden, aber eigentlich redigierte dpa-Meldungen damit meinen, kann man der BILD-Zeitung nicht absprechen schneller und teils auch exklusiver als viele Wettbewerber zu sein. Denn “Qualität” hat erstmal nix mit Stil und Boulevard oder Hochkultur zu tun, auch nicht im Journalismus. Außerdem wird bei Springer seit Jahr und Tag anständiges Geld in voluminöse Imagekampagnen gesteckt. Das Ergebnis: eine starke Medienmarke, die nichts verspricht was sie nicht auch inhaltlich halten würde. Diese Marke im mobilen Internet nun zu re-monetarisieren und ggf. als einer der First Mover in der digitalen Medienwelt jenseits dreispaltiger CMS-Systeme und Klickratenerzwingungen durch Bildergalerien zu reüssieren, sieht zur Zeit nach einer richtigen Strategie aus.

1 Kommentar »

  1. [...] Pole-Position. Dafür gabs in den vergangenen Wochen einige neue Anhaltspunkte über die hier und hier berichteten Entwicklungen im Zeitungs- und sog. “Print”-Sektor sowie bei den [...]

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