Reuters zitiert heute den Senior Analyst für Applied Technology von Oppenheimer Yair Reiner mit einigen Mutmaßungen hinsichtlich Vermarktungszeitpunkt (“launch in late March”) und potentiellen Earnings per Share (“boost of 25 to 38 cents per quarter” bei unterstelltem Stückpreis von ca. 1.000 USD und einer Stückzahl von 1 – 1,5 Mio Units per Quartal) bezüglich des auch von uns vermuteten Apple Tablet Computers. Interessanter als die üblichen Analystenhochrechnungen und Blicke in die Hardwareglaskugel (“10.1-inch multitouch LCD screen”) finden wir Reiners folgende Aussage:
Apple has also approached book publishers to distribute their content electronically, and has offered them a revenue cut of 70 percent without requiring exclusivity, Reiner said.
Das wäre ein sehr direkter Angriff auf Amazons Kindle, der 70 Prozent nur bei voller Contentexklusivität an die Verleger zahlt, ansonsten 50%. Über Contentdeals mit Magazin-Verlegern berichtete Reiner nichts. Währenddessen hat das Konsortium aus Time Inc, Condé Nast, Hearst Corporation, Meredith und the News Corporation laut NYT vorgestern offiziell die Gründung einer bisher namenlosen Unternehmung (“unnamed venture”) zur Gestaltung und Aufbereitung digitalen Magazincontents für Geräte, die noch nicht existieren offiziell bekanntgegeben. Wir berichteten hier.
Bei aller Schmallippigkeit Apples hinsichtlich künftiger Produkte – allmählich entwickelt sich die Nummer zur Farce: Die größten US-Magazin-Verlage schließen sich zur gemeinsamen Gründung einer Dienstleistungsfirma offiziell zusammen. Die Firma trägt aber offiziell erstmal keinen Namen. Schon diese beiden Punkte sind erstaunlich genug. Noch besser: die Dienstleistung der Firma bezieht sich auf Content für Geräte die es noch nicht gibt. Meine Güte! Wenn die Musikindustrie vor dem iPod Launch mit so vielen disclaimerhaften Andeutungen des Ungefähren Pressekonferenzen abgehalten hätte, die gleichzeitig kaum Interpretationsalternativen als das allseits Vermutete offen lassen, hätte Jobs die Protypen seines Musikspielers vermutlich in dem gleichen Keller eingemottet wo die diversen Tablet-Vorläufer vor sich hin stauben. Aber auf die “Verschwiegenheit” von Medien in eigener Sache zu hoffen war sicher auch etwas optimistisch gedacht. Oder ganz anders formuliert: das alte Apple-Rezept stets andere den Hype machen zu lassen und auf dem Scheitel des Tipping Points zu launchen könnte auch diesmal funktionieren.
Wie auch immer – die heute publik gewordenen Einzelheiten zu möglichen Buchverlags-Deals halten wir für nicht kriegsentscheidend sondern als reine Unverschämtheit gegen Amazon, ein Klaps im Vorbeigehen sozusagen. Belletristik und Literatur im Allgemeinen funktioniert über Konzentration und Imagination, d.h. der Leser schreibt das Buch beim Lesen stets auf Basis seiner persönlichen Prägung und Erfahrung selbst mit. Neben der gedruckten Seite kommt der einfarbige, feature-lose Kindle hier dem optimalen, weil ablenkungsfreien Interface sehr nahe. Ein animiertes Blätter-Touchscreen-Millionen-von-Farben-WiFi-Tablet klingt nicht nach der optimalen Umgebung um, sagen wir David Foster Wallace oder Thomas Pynchon zu lesen.




































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[...] 10.12.2009 Apple Tablet follow-up: 70% Marge für Verlage? [...]
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