Tradition ist in Krisenzeiten ein beliebter Eskapismus: Sie ist in der Regel ungefährlich, konservativ, strahlender und blendender in der berufenen Erinnerung als sie tatsächlich real war und obendrein noch ein gesellschaftliches Distinktionsmerkmal (obwohl wir da nicht ganz so rigide sein wollen wie Don Alphonso). Kein Wunder dass die Automobilindustrie derzeit die KLASSIK in noch feineren/fetteren Lettern vor kontrastreichen Hintergründen feiert als ohnehin, lassen sich die ganzen jüngst auf der IAA gegebenen Produktversprechen doch erst in der Zukunft einlösen. Wenn die automobile Gegenwart also gegenwärtig schon den Stillstand als Erfolg preisen würde (sofern man mit Verkaufszahlen argumentieren wollte), muß der Blick zurück die geschundenen Marken wenigstens wieder aufhellen, oder um die Klischees zu bemühen, den Stern leuchten lassen.
Mercedes-Benz, schon immer sehr geschickt in der Dritt- und Viertverwertung seiner behutsam gedrechselten Mythen, hat folgerichtig als Sponsoring Partner des 2009er ADAC Eifelrennens am Nürburgring ohne Mühen (und sicher auch Kosten) zu scheuen wahrlich Einmaliges, um nicht zu sagen die Chromjuwelen selbst, in die Eifel gekarrt:
Denn wenn die Zukunft elektromotörchen-super-flüster-leise werden soll, dann muß es wenigstens in der Heritage-Abteilung so richtig krachen. Was sagen wir – BRÜLLEN: Ganze vier der ruhmreichen Sportwagen, die später im Rahmen der Legendenbildung als “Silberpfeile” im Kollektivgedächtnis gespeichert wurden, von 1934 (W25), 1937 (W125), 1939 (W154) und 1954 (W196 Monoposto) wurden nicht nur ausgestellt, sondern auch im Paddock angelassen, unter infernalischem Lärm auf Temperatur gebracht, mit Rennzündkerzen versehen und schließlich von Hans Herrmann, Jochen Mass, Tony Dron und Hans-Jörg Götzl auf der Strecke bewegt. In vergleichsweise (akustisch!) emissionsarmen Zeitläuften kommt einem das wütende Kompressorgeschrei der Vorkriegs-GT’s wie der Feuersturm des Purgatoriums vor. Die allesamt erfolgreichen Rennfahrzeuge aus einer 20-jährigen Spanne im Formationsflug zu sehen ist alleine schon ein ziemlich bemerkenswertes Ereignis – den unbedingten Willen Tradition als jahrestagstaugliche Parallele zu inszenieren treiben die Sternenhüter natürlich mit dem 34er W25 auf die Spitze, der das sog. Original-Eifelrennen vor 75 Jahren ebendort gewann. Weiter gehts nach dem Klick…
Details »





























